Architektur

Schönenwerd ist - nach dem Niedergang des Bally-Imperiums - riesige Anlagen, einigen Villen und der Bally-Park geblieben. Die leeren Fabrikhallen wurden teilweise vermietet oder verkauft.

Aus Sicht der Industriegeschichte ist es erfreulich, dass sich ein so grosser Teil der alten Substanz erhalten hat. An den Gebäuden der Schuhfabrik wurde seit den 1960er Jahren nur noch wenig verändert da die Firma seither nicht mehr wuchs. Die neue Herrenschuhfabrik aus dem Jahre 1964 war das letzte grosse Bauvorhaben von Bally.

Einige bedauerliche Verluste sind bei den Villen der Familie Bally zu verzeichnen. Diese verloren nach und nach ihre Funktion und mussten meist modernen Überbauungen weichen. Die einzige fast integral erhaltene Villa ist das ehemalige Wohnhaus von Arnold Bally-Marty, welches wie das Kosthaus vom Architekten Karl Moser 1897 erbaut wurde.

In unserer Ausstellung zeigen wir die Entwicklung und das gigantisches Wachstum des Unternehmens räumlicher Art, anhand von Modellen, Pläne und Bilder.

Museum Bally-Prior

Das Museumsgebäude war das letzte Glied in einer Kette von Bauten und Gärten am südlichen Ausgang des aufstrebenden Industriedorfes. Damit durchquerte der Besucher eine kleine Prachtmeile von Villen und Parks: Östlich der Strasse befand sich die Villa Bally-Marty (Wohnhaus von Arnold Bally-Marty, erb. 1896/97, noch bestehend), die Villa Clara (Wohnhaus von Iwan Bally-Wissmann, erb. 1901, abgerissen 1977), die Villa Frohmatt (Wohnhaus von Ernst O. Bally-Hüssy, erb. 1906 abgerissen 1981), und die Englische Villa (Wohnhaus für höhere Angestellte, erb. 1887, noch bestehend). Westlich standen das Museum und die Villa Jurablick. Sämtliche Bauten befanden sich in grossen Parks und hatten gegen die Strasse hin eindrückliche Portale.  

Herrenschuhfabrik, 1960

Die neue Herrenschuhfabrik war das letzte grosse Bauvorhaben von Bally. Neben dem sechsgeschossigen Hochbau steht eine modere Shedhalle, die ohne Stützen fast 5000 m2 Fläche überspannt. Die eigenwillige Dachkonstruktion prägt das Ensemble bis heute.

Stanzerei 1911

Durch das Wachstum des Unternehmens und den zunehmenden Einsatz von Maschinen benötigte die Firma Bally periodisch neue Räumlichkeiten. 1911 wurde die Stanzerei am Fabrikkanal am (damaligen) südlichen Rand des Parks erstellt. Der viergeschossige Bau beherbergte grosse, schwere Maschinen, die Sohlen und Absätze aus dem Leder stanzten.

Die Stanzerei ist eine Betonskelett-Konstruktion, deren Fassade ohne jeden Schmuck und mit grossen Fenstern gestaltet ist. Sie ist ein früher Vorläufer der Moderne und damit ein bedeutendes Beispiel der Schweizer Industriearchitektur.

Alte Werkschule

Bei der sogenannten «Werkschule» handelt es sich um den ersten Bau, welcher von der Familie Bally zu Gewerbezwecken errichtet wurde. Peter Bally liess das Gebäude 1831 bis 1837 als Geschäftshaus für Kontor, Ferggstube, Ausrüsterei und andere Zwecke erstellen. Eigentliche Fabrikbauten, wie sie aus dem Kanton Zürich oder der Ostschweiz bekannt sind, wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht benötigt, weil die Produktion weitgehend in Heimarbeit erfolgte. Der gediegene, klassizistische Bau hat seine ursprüngliche Gestalt fast vollständig erhalten und ist heute wohl der älteste Industriebau im Kanton Solothurn.